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Blockchain und ihre wahren Potenziale für die Immobilienwirtschaft

Die Immobilienbranche nähert sich dem Thema Blockchain mit einer gehörigen Portion Skepsis. Die sollte sie ablegen, um nicht den Internetkonzernen in die Hände zu spielen. Der Beitrag zeigt, in welchen Bereichen Blockchain zu Verbesserungen führen kann.

Noch steht die Blockchain in der Immobilienwirtschaft ganz am Anfang. Immobilienunternehmen sollten die Chancen der Technologie nicht verpassen (Foto: Hitesh Choudhary/Unsplash.com)
Noch steht die Blockchain in der Immobilienwirtschaft ganz am Anfang. Immobilienunternehmen sollten die Chancen der Technologie nicht verpassen (Foto: Hitesh Choudhary/Unsplash.com)

Blockchain, die Technologie, die hinter der Crypto-Währung Bitcoin steckt, ist neben Künstlicher Intelligenz, 3D-Druck und Virtueller Realität, zurzeit sicherlich eine der am meist zitierten Entwicklungen, wenn es um Digitalisierung oder um Zukunftstechnologien geht.

Gerade durch die Assoziation mit Bitcoin, geht das Verständnis meistens noch so weit, dass eine dramatische Veränderung für die Finanzbranche ansteht. Aber warum sollte diese Technologie Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft haben? Besonders wo doch eine anhaltend gute Konjunktur gerade diese Branche begünstigt – und die Tatsache, dass die Digitalisierung bisher nur schleppend vorangetrieben wurde, den guten Ergebnissen nicht geschadet hat. Es gibt allerdings gute Gründe, warum ausgerechnet diese Technologie Katalysator einiger tiefgreifender Änderungen werden kann.

Blockchain, verständlich:

Blockchains sind spezielle Datenbanken, die Transaktionsdaten ohne eine zentrale Kontrollinstanz, ohne die Notwendigkeit gegenseitigen Vertrauens der Parteien und mit vollkommener Transparenz verwalten können.

Blockchain bringt Transparenz, Geschwindigkeit und optimale Effizienz
Die Blockchain wird gerne auch als verteilte Datenbank bezeichnet. Das trifft die Sache schon ganz gut. Wenn man den Charakter der Blockchain noch etwas genauer beschreiben möchte, handelt es sich um ein verteiltes Register (englisch ‘ledger’), daher nutzt man auch gerne den englischen, etwas allgemeineren Begriff Distributed Ledger Technologie (DLT). Das Datenbanksystem kann öffentlich als „Public Blockchain“ oder für eine definierte Gruppe „Private Blockchain“ ausgestaltet sein.

Damit ergeben sich vereinfacht dargestellt drei besonders interessante Eigenschaften der Blockchain-Technologie:

  1. Verteilt
  2. Unveränderbar
  3. Kein Mittelsmann notwendig
 

Verteilt ist von Interesse, weil eine verteilte Datenarchitektur den ‘single point of failure’ also den Totalverlust der Daten vermeidet und das System extrem resistent macht.

Unveränderbar ist eine Eigenschaft, die es bisher in der digitalen Welt nicht gab. Egal wie sicher eine Datenbank ist, es gibt immer noch einen ‘Super-Admin’, der einen Eintrag ändern oder sogar löschen kann. Bei Blockchain ist das nicht so. Alles was dort einmal abgelegt wurde, ist für immer dort hinterlegt. Damit können mittels einer Blockchain Informationen lückenlos zurückverfolgt und ihre Richtigkeit sichergestellt werden.

Technisch gesehen werden Daten in einzelnen ‘Blöcken’ linear abgelegt. Zwischen den Blocks wird durch eine kryptographische Prüfsumme eine Verbindung (chain = Kette) geschaffen, die nicht mehr verändert werden kann, somit sind die Daten der Blocks in der Kette sicher verwahrt.

Eine Einschränkung muss allerdings noch genannt werden. Wenn über 50 Prozent der Knotenpunkte des gesamten verteilten Netzwerks gleichzeitig übernommen werden, können theoretisch Änderungen an einer Blockchain vorgenommen werden. Denn wer die Mehrheit des Netzwerkes kontrolliert, kann darüber abstimmen welche Blocks validiert werden. Der Aufwand für diesen Vorgang ist allerdings so enorm, dass es als ausgeschlossen angesehen wird, dass dies geschehen kann.

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Die beiden ersten Charakteristiken – verteilt und unveränderbar – ermöglichen es, dass für Transaktionen mit einer Blockchain kein Mittelsmann benötigt wird. Das System übernimmt die Verifizierung der Transaktion, bestätigt, dass die zu transferierenden Werte existieren und nicht doppelt verbucht werden und speichert diese in einem Block ab. Damit ist die Transaktion abgeschlossen. Keine Institution muss als Vertrauen stiftender Partner zwischen misstrauischen Händlern vermitteln.

Potenziale von Blockchain für die Immobilienwirtschaft
Die Chance und Herausforderung besteht nun darin, wie diese neuen technischen Möglichkeiten in einer komplexen Industrie wie der Immobilienbranche genutzt werden können – wohl wissend, dass etwa die Rolle des Mittelmannes durchaus ein erprobtes und bewährtes Berufsbild in der Branche ist. Aufgrund der Komplexität und der damit einhergehenden Intransparenz sind viele Immobilientransaktionen ohne hilfreiche Mittelsmänner nicht zu realisieren.

Aber es gibt auch viele künstlich geschaffene Brüche, die es unnötig komplex und kompliziert machen Immobilienprojekte effizient umzusetzen. Das können zum Beispiel Immobiliendaten sein, die jeder Vertragspartner vor einer Transaktion für sich von neuen recherchiert, weil man den Informationen der anderen Partei schlicht nicht vertraut.

Genau hier kann uns Blockchain Technologie weiterhelfen. Diese erlaubt auf der Basis leistungsstarker kryptographischer Verfahren die Aufzeichnung der Transaktionshistorie und hat das Potenzial, somit Transaktionskosten deutlich zu senken und zu mehr Transparenz zu führen. Durch das Schaffen von Transparenz und das Teilen von Daten, ohne dass man die Kontrolle oder die Rechte an diesen Daten verliert, wird Komplexität abgebaut und der Fokus verstärkt auf die Schaffung von Werten gerichtet.

Betrachtet man den Gebäudelebenszyklus, so kann die Blockchain-Technologie grundsätzlich in allen der Phasen des Lebenszyklus einer Immobilie eingebunden werden und operative Prozesse und den Austausch von Daten verbessern. Nachfolgende Abbildung zeigt einige Bereiche auf, die durch den Einsatz von Blockchain-Technologien verändert werden können.

Die Blockchain-Technologie könnte in vielen Bereichen künstliche Brüche überwinden und für mehr Effizienz sorgen (Quelle: Achim Jedelsky)
Die Blockchain-Technologie könnte in vielen Bereichen künstliche Brüche überwinden und für mehr Effizienz sorgen (Quelle: Achim Jedelsky)

Steigende Komplexität, verschärfte regulatorische Anforderungen und die Vielzahl an Interdependenzen zwischen den Akteuren – die Hürden bei Immobilientransaktionen sind groß. Allein der Umfang an zu prüfenden Informationen, sei es aus abgeschlossenen oder geplanten Deals, ist enorm. Selbst unter Zuhilfenahme moderner Datenverarbeitungstechnologien ist damit ein erheblicher Zeit- und Kostenaufwand verbunden – der sich aber über die Blockchain-Technologie reduzieren ließe.

Auch wenn die Technologie viel verspricht werden Immobiliengeschäfte in den kommenden Jahren nicht von Blockchain-basierte Applikationen dominiert werden. Viel mehr bietet Blockchain zunächst eine evolutionäre Verbesserung für bestehende Abläufe und es wird perspektivisch eine deutliche Aufgabenverlagerung geben, durch die viele Aufgaben immer mehr von Algorithmen übernommen werden. Die Herausforderung für Immobilienfirmen wird es sein, einen Mehrwehrt zu diesen operativen Abläufen zu schaffen.

Immobilienfirmen sollten selbst innovieren, sonst tun es Internetkonzerne
Blockchain-basierte Anwendungen stehen in der Immobilienwirtschaft heute noch deutlich am Anfang und sind in Form von konkreten Produkten noch wenig umgesetzt – aber die Zahl der Startups, die Blockchain nutzen steigt rapide. Fest steht, dass die Technologie ein erhebliches Veränderungspotenzial in nahezu sämtlichen Bereichen der Immobilienwirtschaft und deren Wertschöpfungsprozessen ermöglicht, respektive bringen wird.

Hierbei halte ich es für elementar wichtig, dass Vertreter der Immobilienwirtschaft, sich dieser Entwicklung nicht verschließen, sondern sie viel mehr ganz bewusst annehmen. Denn wenn wir unsere Prozesse nicht von innen innovieren, dann wird das von anderen übernommen – vornehmlich von US-amerikanischen Internet-Konzernen. Das muss nicht sein, denn wir haben den Wissensvorsprung um die Immobilie, und den gilt es zu digitalisieren.

Autor: Achim Jedelsky ist Leiter Processes/IT bei der Daimler Real Estate GmbH in Berlin. Er ist im Beirat des Real Estate Innovation Network und Gründungsmitglied des Bundesverbandes Blockchain, bei dem er Sprecher des Bereiches Real Estate ist.

10.10.2018