zurück

Energieeffizientes Bauen nicht immer wirtschaftlich

Berlin - Vorgaben zur Einsparung von Energie im Wohngebäudebereich sind nicht grundsätzlich wirtschaftlich. Das zeigt eine Studie, die der Bauherren-Schutzbund beim Fraunhofer-Informationszentrum für Raum und Bau (IRB) in Auftrag gegeben hat...

Berlin (energate) - Vorgaben zur Einsparung von Energie im Wohngebäudebereich sind nicht grundsätzlich wirtschaftlich. Das zeigt eine Studie, die der Bauherren-Schutzbund beim Fraunhofer-Informationszentrum für Raum und Bau (IRB) in Auftrag gegeben hat. Das Institut hat in einer Metastudie die Ergebnisse der wichtigsten Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit energetischer Investitionen beim Wohngebäudebau verglichen, teilte der Bauherren-Schutzbund mit. Es kommt darin zu dem Fazit, dass die zahlreichen Forschungsergebnisse weder die Wirtschaftlichkeit energieeffizienter Baumaßnahmen, noch das Gegenteil belegen können. Durch die verschiedenen Untersuchungsansätze seien allgemeine Aussagen nicht möglich. Vielmehr komme es immer auf den Einzelfall an.

Verschärfte Anforderungen durch EU-Vorgaben

Anlass der Studie ist die Debatte um eine Verschärfung der gesetzlichen Anforderungen der Energieeffizienz bei Gebäuden. Hintergrund ist die anstehende Einführung des Gebäudeenergiegesetzes, in dem Energieeinsparungsgesetz und Energiesparverordnung mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammengeführt werden sollen. Dabei stehe die Frage im Raum, wie die Vorgaben der europäischen Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden zur Einführung eines Niedrigstenergie-Gebäudestandards in Bezug auf Wohngebäude in nationales Recht umgesetzt werden. Nach Verlautbarungen von Ministeriumsseite werde es nach aktuellem Stand zwar keine Verschärfung der Anforderungen an private Neubauten geben. Damit ist die Frage aber nicht vom Tisch. "Aufgrund der Notwendigkeit, die EU-Vorgaben umzusetzen, ist zukünftig mit einer Novellierung mit angepassten Anforderungen zu rechnen", heißt es in der Studie.

Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds, appelliert an die Politik, klare Aussagen zu treffen "in welchem Rahmen man Bauherren und Mieter künftig an den gesteckten Klimaschutzzielen beteiligen will". Er fordert eine gesellschaftspolitische Diskussion, mit welchem Investitionsvolumen der Wohngebäudebereich beitragen soll und in welchem Umfang Wohneigentümer durch energieeffizientes Bauen an den Kosten beteiligt werden. Wenn der Rahmen abgesteckt ist, könne über gezielte Fördermaßnahmen und neue Technologien diskutiert werden, so Becker. Die Diskussion, ob Investitionskosten in Energieeffizienz durch Einsparungen wieder eingespielt werden können, sei mit Blick auf die Metastudie nicht zielführend. Das führe beim Verbraucher nur zu einer Erwartungshaltung, die vielfach nicht erfüllt werde.

Seriöse Bewertung nur im Einzelfall

Prinzipiell stoßen bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit drei Perspektiven zusammen, schreibt das Fraunhofer IRB. Aus gesamtwirtschaftlicher und umweltökonomischer Sicht gebe es keine andere Option, zur Erreichung der Klimaschutzziele beizutragen. Daneben gebe es eine objektbezogene Bewertung der technologischen Effizienz der Lösungen auf Gebäudeebene. Die dritte Sichtweise nimmt die Perspektive der Eigentümer und Nutzer ein und damit die subjektbezogenen wirtschaftlichen Vorteile in den Blick. Hier sei eine seriöse Bewertung der Wirtschaftlichkeit nur im Einzelfall möglich. Es sei daher wichtig, Bauherren bewusst zu machen, dass sie ihre individuellen Ziele und Rahmenbedingungen herausarbeiten müssen, um zu einer realistischen Einschätzung zu kommen. Aus individueller Sicht muss zudem eine Entscheidung nicht allein anhand finanzieller Vorteile getroffen werden. Es könne auch Personen geben, die dem Thema Umweltschutz einen hohen Wert beimessen. Zudem kann es auch andere Aspekte wie Wohnkomfort geben, die für den Einzelnen ausschlaggebend sind.

Über alle Studien zeige sich, dass ein höherer Energiestandard in der Regel zu höheren Baukosten führt. Kritisch merkt die Studie an, dass private Bauherren bei einer Verschärfung der gesetzlichen Anforderungen keine Wahlfreiheit haben. Die Anforderungen sind bindend. Im Idealfall könne aber entschieden werden, wie die Vorgaben umgesetzt werden, auch wenn Technologieoffenheit noch zu wenig propagiert werde. /tc

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

12.10.2018