„Strategische Innovationen - digitale Lösungen"

Die Digitalisierung wirbelt die altbekannte Immobilienwelt durcheinander. Neue Geschäftsmodelle, neue Prozesse, neu Technologien. imFOKUS zeigt, wie digitale Tools nicht zu Insellösungen verkommen, sondern in die Unternehmensstrategie eingebettet werden.

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Human Resources

In der Praxis unterstützen die Personal-
abteilungen ihre Unternehmen als Service-Abteilungen. Doch diese Sicht der Dinge ist überholt. Das Human Resources Management braucht ein Upgrade zur strategischen Führungsaufgabe, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben.

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„Es gibt keinen konfliktfreien Bauprozess“

Was läuft falsch beim Planen und Bauen in Deutschland? Das imFOKUS Gipfeltreffen: Planungskultur/Prozesskultur/Baukultur hat ein heißes Eisen angefasst – und mögliche Lösungswege aufgezeigt.

Streitpunkt Baukultur in Deutschland beim imFOKUS Gipfeltreffen in Köln (Foto: Axel Schulten)
Streitpunkt Baukultur in Deutschland beim imFOKUS Gipfeltreffen in Köln (Foto: Axel Schulten)

Die deutsche Planungs- und Baukultur entpuppt sich oft als Streitkultur mit einer Flut an Nachträgen und juristischen Auseinandersetzungen. Für viele Immobilienprofis, das zeigte das imFOKUS Gipfeltreffen , ist eine wesentliche Ursache hierfür die mangelnde, zu späte und zu wenig koordinierte Kommunikation aller Beteiligten. Keynote-Speaker und Architekt Kaspar Kraemer brachte es auf den Punkt: „Baukultur besteht aus guter Planung und der Einbeziehung aller Beteiligten.”

Die HOAI verhindert partnerschaftliches Bauen
Andernorts scheint dieses Miteinander besser zu funktionieren, wie Marcus Becker von Kondor Wessels Bouw Berlin am Beispiel der Niederlande und dem dort üblichen Bauteam-Verfahren beschrieb. Weniger Anwälte und weniger Nachträge bei Immobilienprojekten und ein echtes partnscherschaftliches Planen und Bauen sind für ihn „mit dem deutschen Vergabesystem gar nicht möglich”. Auch die Regelungen der HOAI seien nicht förderlich. „Die Trennung von Planen und Bauen ist nicht zielführend und man könnte langsam noch einmal über eine Novellierung der HOAI nachdenken.”

Die Vorträge der Referenten zum Download

Kaspar Kraemer (Bundesstiftung Baukultur)
Keynote

Marcus Becker (Kondor Wessels Bouw Berlin)
Vorteile des partnerschaftlichen Bauens/Bauteam-Verfahrens

Klaus Franken
Qualität zeigt sich im Betrieb

Es fehle an Augenhöhe der Partner und einem klar definierten Rollenverständnis. Stattdessen würden Projektsteuerer, Gutachter und Juristen allzu oft nur die Position ihrer jeweiligen Auftraggeber verteidigen. Im Ergebnis gebe es dann konfrontatives statt partnerschaftliches Bauen.

Anwalt Dr. Remo Laschet von LLR Legerlotz Laschet Rechtsanwälte wollte die Juristenzunft nicht als Prügelknabe dastehen lassen: „Gute Juristen sind bemüht, Streitigkeiten zu vermeiden“, stellte er klar. „Wichtig in den Prozessen ist, dass sich die Parteien von ihren Positionen lösen und ein gemeinsames Ziel finden, das für alle umsetzbar ist”, erklärte er.

„Wer sich weniger streitet, hat mehr Zeit für den Kunden”
Ein solch partnerschaftliches Miteinander ist auch für Alexander Knälmann von Apoprojekt der einzig richtige Weg. „Wer sich weniger streitet, hat mehr Zeit für den Kunden”, sagte er. So sei es möglich produktiver und nachhaltiger zu arbeiten, mit Kunden, die gerne Folgeprojekt vereinbarten.

Einen wesentlichen Hebel für die Senkung von Baukosten sieht Knälmann in den Steuerungskosten. Die machen seiner Erfahrung nach teilweise über 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Planen und Bauen aus einer Hand, wie es etwa nach dem Design & Build-Verfahren funktioniert, könnten 20 Prozent der Kosten und  30 Prozent der Zeit einsparen. Die Teilnehmer des Gipfeltreffens sahen in der Trendumfrage vor allen Dingen in der Reduzierung der Beteiligten an der Planung und Steuerung die größten Einsparpotenziale.

Ein Instrument, das mehr Effizienz und Kosteneinsparungen bringen könnte ist das Building Information Modeling (BIM). Diesbezüglich machte Frank Bögel von der Aconex AG klar, dass die Herausforderung in der Nutzung von BIM nicht in der Technik an sich steckt. „Es geht darum, dass jeder Beteiligte weiß, wie und wann er die Tools und Möglichkeiten nutzen soll. Es geht nicht um das Erstellen der Inhalte, sondern um das Management der Informationen und Prozesse.“

Für ihn ist IT der Hebel um Immobilienprojekte besser und schneller zu machen. „BIM ist mehr als eine Technologie, es kann die Produktivität im Planungs- und Bauprozess erhöhen“, zeigte er sich überzeugt. Er monierte, dass es seit 20 Jahren fast keine Effektivitätsgewinne beim Bau gebe und sich die Immobilienwirtschaft mit einer erwarteten Fehlerquote von zehn Prozent zufrieden gibt. „Die Automobilindustrie erzielt mit den gleichen IT-Werkzeugen Fehlerquoten von unter einem Prozent“, gab er zu bedenken.

Dass Baukultur auch etwas mit der eigenen Verantwortung von Investoren und Projektentwicklern zu tun hat, machte anschließend Dr. Markus Wiedenmann von Art-Invest eindringlich deutlich. Seine Zunft müsse sich wieder stärker bewusst machen, dass Immobilien auch nach dem Exit noch Jahrzehnte lang ihre Umgebung prägen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nicht immer nur fragen dürfen, was kann die Stadt für uns tun. Wir müssen auch fragen, was können wir für die Stadt tun.“ Projektentwickler dürften nicht bloß bis zur Fertigstellung und dem Verkauf einer Immobilie denken, sondern müssten die komplette Lebenszeit im Blick haben. Franz-Josef Lickteig, Geschäftsführer der BPD Immobilienentwicklung sah das ähnlich und fragte: “Werden wir uns in 20 Jahren vor dem, was wir heute bauen genauso schütteln wie wir es heute vor dem Waschbeton und den Fertigteilen der 1970er Jahre tun?“

Auch Andre Zschau von Catella Projektmanagement betonte, dass der Betrieb von Immobilien ein wesentlicher Aspekt von Baukultur darstellt. „Wie schafft man es, dass mein Projekt im aktuellen Bauboom keine Bausünde der Zukunft wird?“ Neben der eigentlichen Bauausführung sei es deshalb wichtig, auf eine breit gemischte Nutzung von Immobilien – gerade bei der Entwicklung ganzer Quartiere – zu achten. 

Autor: Markus Gerharz

20.09.2017