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Family Offices und ihre Immobilieninvestments

Eine neue Studie beleuchtet das Anlageverhalten reicher Familien. Einige der Ergebnisse sind umstritten.

Wohlhabende Familien investieren gerne in Immobilien
Wohlhabende Familien investieren gerne in Immobilien. Die Famos-Studie zeigt, in welche Assetklassen und mit welchen Renditeerwartungen (Bild: Gerd Altmann/Pixelio)

Von den Geissens mal abgesehen halten sich Vermögende in Deutschland gern eher im Hintergrund auf. Die Öffentlichkeit soll weder erfahren, wie groß die Vermögen wirklich sind noch was damit geschieht.

Entsprechend intransparent ist auch das Feld der Family Offices, die diese Vermögen verwalten. Dem Unternehmen Famos Immobilien aus Korschenbroich gebührt die Ehre, nun zum zweiten Mal etwas mehr Licht ins Dunkle gebracht zu haben. Famos ist das Family Office der Familie Otten, unterstützt in Immobilienfragen aber auch andere große Vermögen.

Hohe Preise für Family Offices
Mitte März stellte Famos die Neuauflage einer Befragung unter Family Offices aus dem Jahr 2012 vor. Zumindest einige der Ergebnisse stoßen allerdings auf Kritik. Im Zentrum steht die Aussage, dass Family Offices auch sehr hohe Preise zu akzeptieren bereit sind.

Die Studie liefert Munition für diese Annahme. Denn einerseits halten 65 Prozent der befragten Vermögensverwalter Wohnimmobilien für die attraktivste Immobilien-Assetklasse. Andererseits erwarten 43 Prozent von Wohninvestments Bruttoanfangsrenditen zwischen null und drei Prozent. Das entspräche bestenfalls einem Multiplikator von 33.

So legen Family Offices in Immobilien an

Dr. Christoph Pitschke, Leiter Immobilien und Beteiligungen der Oppenheim Family Office AG, sieht Ankaufsfaktoren von 33 sehr selten: „Unsere Kunden akzeptieren eine so geringe Rendite nur in sehr begründeten Ausnahmefällen.“ Oppenheim Family Office betreut rund 100 große Vermögen. Immobilien sind dabei nur eines von mehreren Anlagesegmenten.

Andere sehen es ähnlich. „Wir müssen endlich mit dem Mythos aufräumen, dass Family Offices mit geringen Renditen zufrieden sind und tendenziell zu viel bezahlen“, kritisiert Siegmut Böhm, Geschäftsführer des Multi Family Offices AM Alpha. „Die meisten Family Offices haben unabhängig von ihrer Größe eine hohe Renditeerwartung und hinterfragen alle Risiken einer Transaktion sehr gründlich.“

Famos-Studie: eher kleine Family Offices
Ein Blick auf die Teilnehmer der Famos-Studie könnte darauf hinweisen, dass hier eher kleinere Familienvermögensverwalter den Ton angeben. Beteiligt haben sich 30 Family Offices, von denen 63 Prozent weniger als 100 Millionen Euro managen. In ganzen Zahlen entsprechen die 43 Prozent, die mit den genannten Micker-Renditen rechnen, 13 Befragungsteilnehmern.

Dass Family Offices sogar Toprenditen erzielen und damit andere Investoren weit hinter sich lassen können, bewies jüngst der immobilienmanagerAward. Dessen Fachjury sprach AM Alpha den Award in der Kategorie Investment zu.

Das in München und Singapur ansässige Unternehmen mit weiteren Niederlassungen unter anderem in Shanghai, Hongkong und Tokyo hatte in seiner Bewerbung zwei Transaktionen eingereicht, eine in Dublin und eine in Sydney. In beiden Fällen stieg AM Alpha in Märkte ein, die im Gefolge der globalen Finanzkrise am Boden lagen. In Australien erzielte das Unternehmen nach vier Jahren Haltedauer einen Wertzuwachs von 63 Prozent, in Irland 37 Prozent nach 18 Monaten.

Rendite bringen Auslandsinvestments
Solche Traumrenditen lassen sich mit einer auf Deutschland begrenzten Core-Strategie natürlich nicht einfahren. Die Vermögen, die hinter AM Alpha stehen, suchen ganz offensichtlich ambitioniertere Ertrags-Risiko-Profile als die reiche Durchschnittsfamilie. Und selbstverständlich muss das Family Office, das diese Erwartungen erfüllen soll, entsprechend aufgestellt sein. „Unsere grundsätzliche Organisation entspricht der eines institutionellen Investors“, führt Böhm aus.

Auch wenn einige Marktteilnehmer Teilergebnisse der Famos-Studie kritisch sehen – für die Betrachtung des nach wie vor sehr intransparenten Marktes der Family Offices liefert die Befragung aufschlussreiche Hinweise. Die Immobilienquote ihrer Portfolios gaben die antwortenden Immobilienverwalter mit 36 Prozent an – ein extrem hoher Wert.

Die Abkehr von Büroimmobilien
Diese Quote ist seit der Vorgängerstudie relativ konstant geblieben, nicht aber ihre Zusammensetzung: Wohnimmobilien haben zugelegt und erreichen mittlerweile 44 Prozent Anteil am Immobilienportfolio der Vermögenden. Der Büroanteil hingegen fällt von 29 auf 18 Prozent. Hier verhalten sich Family Offices also definitiv anders als institutionelle Investoren.

Autor: Christof Hardebusch

09.05.2016