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Fortbildungspflicht statt Sachkundenachweis: Trennt man so die Spreu vom Weizen?

Auch nach langem Hin und Her konnte der Gesetzentwurf zur Einführung des Sachkundenachweises für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohneigentum vor dem Bundestag nicht überzeugen. Anstelle einer umfangreichen Regelung wie dem Sachkundenachweis wird vom Gesetzgeber künftig lediglich eine Fortbildungspflicht verlangt. Doch was bedeutet das für die Branche?

Die Regelung sieht vor, dass gewerblich tätige Makler und Verwalter seit August 2018 alle drei Jahre 20 Weiterbildungsstunden im Rahmen verschiedener Kurse zu definierten Themen absolvieren und nachweisen müssen. Ob es sich hierbei um Präsenzveranstaltungen, ein Selbststudium durch Onlinekurse oder betriebsinterne Maßnahmen handelt, lässt der Gesetzgeber offen. Zurecht machen sich daher viele Immobilienmakler weiterhin Gedanken um den Ruf der Branche, die Anerkennung des Berufsfeldes und die Herausforderung der Professionalisierung. Bereits seit Jahren fordern nicht nur die großen Beratungshäuser, sondern auch die wichtigsten Verbände der Branche höhere Qualitätsstandards, welche nicht zuletzt durch eine einheitliche, spezialisierte Ausbildung erreicht werden könnten. Der Sachkundenachweis wäre ein erster Schritt gewesen. Denn führt man sich einmal vor Augen, welcher Arbeit Makler und Immobilienverwalter tagtäglich nachgehen, stellt man schnell fest, dass enorme Vermögenswerte und damit einhergehend eine große Verantwortung eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag spielen. Damit ist ein umfangreiches Fachwissen zur erfolgreichen Ausführung des Berufs erforderlich. Entgegen dem häufigen Vorurteil sind Immobilienmakler keine „Türöffner“, sondern Experten auf ihrem Gebiet, vorausgesetzt sie bringen ein fundiertes Fachwissen mit. Umso verwunderlicher ist es daher, dass es bislang keine gesetzlich vorgeschriebene Berufsausbildung gibt und sich jede Person, die eine behördliche Erlaubnis nach §34c der Gewerbeverordnung vorlegt, Makler nennen darf.

Durch die Fortbildungspflicht wird nun immerhin ein erster übergeordneter Leitfaden für die Wissensabfrage der am Markt tätigen Makler und Verwalter erstellt, denn in einem dynamischen Markt, wie dem der Immobilien, der zusätzlich immer mehr von der Digitalisierung beeinflusst wird, sind die Ansprüche an die Aus- und Weiterbildung zunehmend hoch.

In den unternehmenseigenen Schulen der großen Maklerhäuser wird der oftmals unzureichenden Ausbildung bereits seit Jahren aktiv entgegengewirkt, da nicht nur den angehenden Maklern, sondern auch den langjährigen Mitarbeitern ein profundes Fachwissen und umfangreiche Marktkenntnisse vermittelt werden. Hier werden Themen wie etwa Maklerrecht, Immobilienwertermittlung oder Architektur und Bauwissen intensiv behandelt. Doch längst nicht alle am Markt tätigen Immobilienberater können bisher eine solche Ausbildung vorweisen.

Viele kleinere Makler und Verwalter haben die zunehmende Komplexität und die wachsenden Ansprüche an den Beruf zwar ebenfalls erkannt, doch Weiterbildungen stellen sie oftmals vor Herausforderungen – seien es finanzielle oder personelle. Auf ein umfangreiches Kursangebot, wie es die Schulen der großen Maklerhäuser anbieten, können unabhängige Makler in der Regel nicht zurückgreifen und eine gesetzliche Vorschrift fehlte bislang. Die Fortbildungspflicht wird aber sicherlich nur teilweise bewirken, dass diejenigen Makler, die diese Hürden nicht stemmen können oder wollen – und den Beruf dadurch nicht mit der erforderlichen Sorgfalt ausführen – aus dem Markt austreten, denn der vorgeschriebene Aufwand ist zu gering und stellt keine Hindernisse dar, die nicht zu überwindenden sind. Ebenfalls im neuen Gesetz vorgesehen ist eine Informationspflicht gegenüber den Kunden, die zwar einen ersten Vertrauenszuwachs auf Interessentenseite schafft, aber nur bedingt der unzureichenden Professionalität vieler gewerblicher Makler tatsächlich entgegenwirkt.

Die Fortbildungspflicht ist dennoch ein erster und sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sorgt sie immerhin für eine regelmäßige Abfrage des Wissensstandes der gewerblichen Makler und Verwalter von Wohneigentum und dank der Informationspflicht auch dafür, dass Kunden die Qualifikationen der Makler etwas besser einschätzen können. Die Einstiegsbarriere in das bislang relativ leicht zu betretende Feld wird damit erhöht und könnte dafür sorgen, dass langfristig mehr ausreichend qualifiziertes Personal am Markt tätig ist. Damit ist eine gute Basis für die weitere Entwicklung geschaffen. Schließlich ist noch nicht aller Tage Abend und so hofft die Branche weiter, dass in den kommenden Jahren noch strengere Regularien festgelegt werden und Einzug in die Gesetzesbücher erhalten – und damit eine steigende Professionalität und eine deutliche Qualitätsverbesserung Einzug in die Branche. Um also die anfängliche Frage abschließend zu beantworten: Getrennt ist die Spreu vom Weizen durch die Fortbildungspflicht noch lange nicht, es wurde jedoch ein Sieb installiert, das zumindest für eine erste grobe Selektion sorgt.

Autorin: Annika Zarenko ist Geschäftsführerin der Dahler & Company Franchise GmbH und Co. KG.

28.08.2018