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Große Händler unterbrechen Mietzahlungen

Zahlreiche Mieter haben ihre Vermieter bereits angesprochen, darunter Ketten wie Adidas und Douglas.

Nicht nur kleine Einzelhändler, sondern auch große Ketten wollen ihre Mietzahlungen unterbrechen. Weil ihre Läden wegen der Corona-Schutzmaßnahmen geschlossen sind, setzen Adidas und Deichmann ihre Mietzahlungen aus. Auch die Parfümeriekette Douglas möchte ihre Mieten reduzieren. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit: „Wie viele andere Händler auch sprechen wir aktuell mit zahlreichen Vermietern und hoffen, gemeinsam eine Regelung zu finden, um Mieten auszusetzen oder zu stunden."

Die Gesuche um Mietreduktionen oder -stundungen sind tatsächlich zahlreich. Eine Investorenumfrage von Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) hat ergeben, dass 81 Prozent der befragten Anleger mit Fokus auf Einzelhandel solche Anfragen vorliegen haben. Das sei überdurchschnittlich viel, so EVIC: Bei den anderen Nutzungsarten lag die Quote nur bei 60 Prozent. 100 Investoren beteiligten sich an der Befragung, die bis zum 26. März lief.

Die Hahn Gruppe, die am heutigen Freitag ihre 2019er-Zahlen präsentiert hat, ist davon weniger betroffen. Jörn Burghardt, Mitglied des Vorstands der Hahn Gruppe, sagte: „Unsere Ankermieter aus dem großflächigen Einzelhandel dienen überwiegend der Grundversorgung der Bevölkerung. Sie sind deshalb von den aktuellen Schließungsanweisungen überwiegend ausgenommen.“ Mehr als 85 Prozent der Hahn-Mieter sind Lebensmittel- und Drogeriehändler sowie Baumärkte. Bei den Mieter, die ihre Läden schließen mussten, seien es aber „weniger die großen Filialisten, sondern kleinere Betreiber, zum Beispiel aus der Gastronomie, die sich aktuell mit der Bitte um Mietstundungen an uns wenden", so ein Unternehmenssprecher.

Das EHI Retail Institute wirbt um Verständnis für den Handel: „Die Umsatzausfälle dieser Wochen können vom Handel nicht einfach nachgeholt werden, sondern sind in vielen Fällen existenzbedrohend. Wenn schon nicht aus Solidarität, so sollten zur Vermeidung von Leerständen idealerweise Mieter, Vermieter und gegebenenfalls - bei einer entsprechenden Finanzierung der Immobilie - auch Kreditinstitute gemeinsam nachhaltige Lösungen suchen, die über drei Monate hinausgehen. Dabei wird es um den Verzicht auf Mietansprüche ebenso gehen wie auch um das künftige Mietniveau.", sagte Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI.

Kreditzinsen gewerblicher Vermieter laufen weiter

Bei Vermietern stößt das Vorgehen der großen Ketten auf Unverständnis, schließlich hätten diese ja weiterhin Umsätze im Onlinehandel. „Viele Vermieter werden in dieser Situation und bei Ausfall laufender Mieteinnahmen ihre eigenen Verbindlichkeiten möglicherweise nicht mehr erfüllen können“, sagt dazu Esfandiar Khorrami, Rechtsanwalt und Partner bei Bottermann Khorrami LLP. Sein Kollege Uwe Bottermann ergänzt: „Das wird besonders hart private Vermieter treffen, die Immobilieneigentum zur Altersvorsorge erworben haben. Zumal säumige Mieter, die sich auf die Corona-Pandemie berufen, bis Juni 2022 Zeit haben, offene Mietzahlungen auszugleichen. Dagegen können Eigentümer und Vermieter ihre Zahlungsverpflichtungen wie beispielsweise Kreditzinsen oder laufende Versorgerkosten nicht stunden.“

Das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19 Pandemie besagt, dass der Aufschub auch für Darlehensverträge gilt – aber nur für Privatleute. Sobald ein Vermieter gewerblich tätig ist, muss er seinen Schuldendienst unverändert weiter leisten.

Laut der EVIC-Umfrage blicken Einzelhandelsinvestoren verhältnismäßig pessimistisch in die Zukunft. Rund 80 Prozent rechnen mit fallenden oder stark fallenden Vervielfältigern, rund 70 Prozent mit fallenden oder stark fallenden Mieten.

Autorin: Roswitha Loibl

27.03.2020