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Immobilienbranche digitalisiert nur zögerlich

Berlin - Eine aktuelle Studie attestiert der mittelständischen Immobilienwirtschaft großen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Obwohl sich viele Unternehmen bereits mit dem Thema auseinandersetzen, ist der Digitalisierungsgrad der Branche gering, speziell bei Energiethemen wie Energiemanagement oder Quartiersstrom...

Berlin (energate) - Eine aktuelle Studie attestiert der mittelständischen Immobilienwirtschaft großen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Obwohl sich viele Unternehmen bereits mit dem Thema auseinandersetzen, ist der Digitalisierungsgrad der Branche gering, speziell bei Energiethemen wie Energiemanagement oder Quartiersstrom. Zudem wird das Potenzial für neue digitale Geschäftsmodelle vielfach verkannt. Das sind zentrale Ergebnisse einer Umfrage des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) unter seinen Mitgliedern. Knapp die Hälfte der Befragten sind Verwalter und Bestandshalter. Die andere Hälfte setzt sich aus Bauträgern, Planern und Projektieren zusammen. Demnach haben die meisten aller Studienteilnehmer bislang nur Grundlagen umgesetzt. Der Verband selbst bezeichnete die Ergebnisse als "ernüchternd und unbequem".

Schwach ist der Digitalisierungsgrad speziell an den Schnittstellen zur Energiewirtschaft, wo sich immer mehr große wie kleine Energieunternehmen positionieren. Dabei scheiden die Bestandsverwalter schlechter ab als Bauträger. Vielfach schon im Einsatz sind Energiemanagementsysteme. Unter den Bestandsverwaltern geben 17 Prozent an, dass sie zum Standard gehören. Ein Drittel testet diese Tools in Pilotprojekten und 50 Prozent haben noch kein digitales Energiemanagement. 36 Prozent der Bauträger gaben indes an bereits standardmäßig mit Energiemanagementsystemen zu planen. 57 Prozent dieser Gruppe unterhalten dazu Pilotprojekte und sieben Prozent gaben an, darauf bisher zu verzichten.

Quartiersstrom und Smart Home stark ausbaufähig

Die E-Mobilität scheint in der mittelständischen Immobilienwirtschaft angekommen. So verfügen unter den Bestandsverwaltern 65 Prozent über Ladeinfrastruktur, wobei 57 Prozent davon diese lediglich im Rahmen von Pilotprojekten betreibt. Im Neubausegment hingegen zählen Ladesäulen für 43 Prozent zum Standard. 50 Prozent dieser Gruppe führen dazu Pilotprojekte durch. Quartiersstromkonzepte zählen im Immobilienbestand der Befragten noch nicht zum Standard. Lediglich 23 Prozent der Verwalter testen solche Konzepte. Im Neubausegment zählt Quartiersstrom für 19 Prozent zum Standard und ein Drittel betreibt hierzu Pilotprojekte. Viel Luft nach oben haben die befragten Unternehmen auch in Sachen Smart-Home-Hardware. Im Bestand der BFW-Mitglieder zählen diese Geräte für acht Prozent zum Standard, während 31 Prozent die Technik noch gar nicht einsetzt. Im Neubaubereich sind Smart-Home-Komponenten für 21 Prozent Standard.

Vergleichsweise nah beieinander sind die Zahlen zum Digitalisierungsstand beim Mess- und Zählwesen. Unter den Bestandsverwaltern gaben hier 54 Prozent an noch gar nicht auf digitale Lösungen zu setzen. Bei den Bauträgern verfügen laut Studie 46 Prozent noch nicht über smarte Messtechnik. Je 46 Prozent beider Gruppen führen Tests dazu durch. Für ein Zehntel der befragten Bauträger spielt Smart-Home-Technik noch keine Rolle.

Mehrheit sieht kein Potenzial für Geschäftsmodelle

Obwohl 66 Prozent aller Teilnehmer die Digitalisierung allgemein für sich als relevant oder sehr relevant einstufen, haben satte 54 keine konkreten Pläne, die Digitalisierung anzugehen. Es fehle oftmals das digitale Know-how und vielfach auch der Wille, das Geld in die Hand zu nehmen, dieses aufzubauen. Ferner glauben 70 Prozent der Verwalter und Bestandshalter sowie 56 Prozent der Bauträger und Projektentwickler nicht daran, dass sie durch die Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschließen können. Die Probleme seien hausgemacht, urteilte der BFW. Die Branche drohe, "sich selbst auszubremsen". /pa

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

21.09.2018