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Klare Kante am Main

In Frankfurt diskutierten unter der Moderation von Markus Gerharz Projektentwickler und Marktkenner über den Wohnungsmarkt, Baukosten und die Prozesse der Baugenehmigung. In der sehr lebhaften Diskussion gab es einige klare Statements.

Über den Wohnungsmarkt der Region Frankfurt diskutierten gestern Immobilienexperten in der Bankenstadt am Main (Foto: Markus Gerharz/immobilienmanager)
Über den Wohnungsmarkt der Region Frankfurt diskutierten gestern Immobilienexperten in der Bankenstadt am Main (Foto: Markus Gerharz/immobilienmanager)

„Wir müssen endlich aufhören, darüber zu diskutieren, wie wir günstiger bauen können. Bauen wir nicht mehr günstig. Nie wieder werden wir so günstig wohnen wie früher“, Mathias Düsterdick, Vorstand der Gerch Group, fand deutliche Worte beim gestrigen Immobilien Monitor in Frankfurt am Main. Seiner Meinung lasse sich die Preisschraube beim Wohnungsbau nicht zurückdrehen. Die Gründe sieht er in einer Mischung aus energetischen Auflagen, Fachkräftemangel am Bau und XY. „Wir sollten stattdessen Antworten liefern“, setzte er fort. „Welche Lösungen haben wir als Projektentwickler und Immobilienunternehmen darauf?“

Wie könnte Lösungen aussehen? Das Ausweichen aus der Stadt heraus, nannte Ralf Werner, Niederlassungsleiter Rhein-Main bei Instone Real Estate, als einen Ansatz. „Es sollte im Wohnungsbau mehr in die Peripherie der Metropolen geschaut werden. Dafür müssten die Kommunen aber vorher die nötige Infrastruktur, etwa durch Anbindung an den ÖPNV, schaffen, forderte er.

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Doch auch in den Städten selbst sahen die Experten einigen Verbesserungsbedarf - und addressierten vor allen Dingen die Politik und die Verwaltung. Sowohl Carsten Rutz, Vorstand der Deutsche Reihenhaus AG, als auch Mathias Düsterdick, kritisierten Klientelpolitik und ideologische Diskussionen. Sie plädierten zum Beispiel für eine Subjekt- anstelle einer Objektförderung. „Die Förderung von sozialem Wohnen mit festen Quoten hat letztlich zu Quersubventionierung geführt. 30 Prozent geförderter Wohnungsbau führt dazu, dass sich Projekte über die verbliebenen 70 Prozent querfinanzieren“, rechnete Rutz vor und machte klar. "Für die Mitte gibt es kein Angebot mehr.“

Das in einigen Städten propagierte Prinzip der Konzeptvergabe, die Grundstücke nach dem besten Konzept und nicht nach Höchstpreis vergibt, sahen die Experten durchaus als sinnvolles Instrument an. „Aber tatsächlich umsetzen tut es am Ende so gut wie keine Kommune“, so die Erfahrung von Entwickler Düsterdick. Der Grund: Die Liegenschaftsverwaltungen sind vielerorts angewiesen die Kassen zu füllen - und übertrumpfen damit schlicht die Bestrebungen der Bauämter.

24.05.2019