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Offen für Veränderung?

Themenspecial zum Jahresende: Die neue immobilienmanager-Ausgabe 11/12 mit dem Titel "Den Wandel annehmen - Warum das gerade für die Immobilienbranche gilt und wie Unternehmen den Change meistern."

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Corona zeigt uns, dass sich unsere Welt fortlaufend verändert. Wandel ist gut und wichtig. Das wollen wir Ihnen auch mit dieser Ausgabe von immobilienmanager zeigen. (Bild: Anastasia Mezenina/Unsplash)

Der Transformationsdruck hat bereits viele Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle in der Immobilienbranche verändert - selbst bei noch jungen Start-ups.

Nach einer Studie der HfWU Nürtingen-Geislingen unter knapp 100 Führungskräften deutscher Immobilienprojektentwickler setzen rund 88 Prozent der Studienteilnehmer noch immer Excel im Kerngeschäft ein, die meisten sogar als Hauptsoftware. Hier scheint also die Digitalisierung noch immer nicht wirklich angekommen zu sein – doch der Transformationsdruck wird größer mit dem Technikvorsprung des Wettbewerbs.
Dies sieht auch Tilman Gartmeier, Gründer und Geschäftsführer von Cube Real Estate, deren Kerngeschäft die Projektentwicklung ist. Für ihn ist die Digitalisierung ein Effizienz-Motor: „Es geht vor allem um die Digitalisierung von Prozessen und damit um mehr Transparenz, Überblick, Varianten, Kollaboration, Fehlerminimierung und damit finanzielle Effizienz. Wir nutzen bisher nur einen Teil der Chancen, die Digitalisierung bietet. Aber, wir arbeiten mit Hochdruck an digitaleren Prozessen.“

Caspar Schmitz-Morkramer, geschäftsführender Gesellschafter des Architekturbüros Caspar, berichtet, dass in seinem Unternehmen sich die Arbeitsweisen durch die Digitalisierung stark geändert haben. Junge Architekten seien es kaum noch gewohnt mit einem Stift zu arbeiten. Inzwischen gibt es eine eigene BIM-Abteilung und eigene Archicad-Spezialisten im Haus. Die Rechnerkapazitäten haben sich seit dem 16-jährigen Bestehen des Büros um den Faktor zehn erhöht. Und die entstehenden Daten nutzt auch die vor drei Jahren gegründete neue Research-Abteilung.
Ganz vorne weg will Drees & Sommer in Bezug auf Digitalisierung gehen. Dafür ist das Unternehmen schon recht früh Forschungskooperationen eingegangen und arbeitet mit etablierten Branchenplayern und Start-ups zusammen. „Nicht zuletzt bieten wir durch unser Innovationcenter und die Innovation-Hubs an mehreren nationalen wie internationalen Standorten ein einmaliges Ökosystem für die Weiterentwicklung interner und externer Ideen“, erklärt Steffen Szeidl, Sprecher des Vorstands von Drees & Sommer.

Veränderung als Geschäftsmodell

Während einige etablierte Unternehmen Innovationen gegenüber demnach sehr aufgeschlossen sind, tut sich die Branche insgesamt oft schwer auf neue Ideen positiv zu reagieren. Auf Skepsis und mangelndes Verständnis stieß zum Beispiel 2018 Finexity. „Seit dem Vertriebsstart im Dezember 2019 hat sich diese Haltung allerdings stark verändert“, berichtet Paul Hülsmann, Gründer und CEO von Finexity. Das Potenzial der Blockchain-Technologie, auf dem die Geschäftsidee des Unternehmens beruht, wurde inzwischen in der Immobilienbranche erkannt. Dennoch sieht sich das Start-up als Störelement im Markt: „Die Liberalisierung des Immobilienmarktes für Privatpersonen ist eine echte Disruption. Wir sind davon überzeugt, dass diese Entwicklung auf lange Sicht in einem digitalen Grundbuch münden wird.“

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Viele Neulinge am Markt nutzen neu entdeckte Nischen, um mit ihren Produkten den Markt zu erobern und zu verändern. Im September gab es in der Region DACH laut Proptech.de 466 Proptech-Unternehmen, die neue Lösungen von Vermietung/Verkauf über Crowdfunding/Portfolio und Visualisierung bis Immobilienverwaltung anbieten. Diese jungen Unternehmen stehen vor der Herausforderung im Markt zu bestehen, Finanzierungen zu sichern und sich aus einem Start-up zu einer rentablen Firma zu entwickeln.
Diesen Weg geht zum Beispiel seit 2014 Exporo. „Wir sind mit dem Produkt Exporo Finanzierung gestartet. Das haben wir über die Jahre weiterentwickelt und stark verbessert. Früher haben wir Nachrangdarlehen vermittelt. Heute vermitteln wir fast ausschließlich besicherte Bankdarlehen in verschiedenen Rängen“, blickt Simon Brunke, Gründer und Co-CEO von Exporo, auf die junge Geschichte des Unternehmens zurück. Während das Fintech-Unternehmen anfangs vom Markt belächelt wurde, stellt es inzwischen eine etablierte alternative Kapitalquelle für Immobilienprojekte. Weitere Entwicklungsmöglichkeiten sieht Exporo in der Beteiligung an Bestandsobjekten sowie der Blockchain zur Tokenisierung von Immobilien.

Abweisung bis zu Häme und Spott begegneten auch den Gründern von Inreal Technologies, als sie mit ihrer Virtual-Reality-Lösung an den Markt traten, dabei war die von ihnen angebotene Technik den damaligen Renderings weit voraus. „Mittlerweile gibt es in der Immobilienbranche eine viel höhere Akzeptanz für digitale Technologien und wir müssen nicht jedes Mal aufs Neue eine hohe Schwelle der Ablehnung überwinden“, erklärt Enrico Kürtös, CEO von Inreal Technologies.

Einige Neulinge am Markt haben seit ihrer Gründung ihr Geschäftsmodell gründlich auf den Kopf gestellt. Maklaro war 2013 als digitaler Makler an den Start gegangen. „Am Anfang waren wir quasi der Feind“, erinnert sich Gründer Nikolai Roth. Inzwischen geht das Unternehmen mehr auf Kooperation als auf Konfrontation. Das neue Geschäftsmodell sieht vor anderen Maklern digitale Produkte anzubieten. „Dies rührt primär daher, dass wir festgestellt haben, dass man online zwar sehr erfolgreich Eigentümerakquise betreiben kann aber die Konvertierung dieser Leads in qualifizierte Makleraufträge schwieriger ist, als wenn man vor Ort beim Kunden ist“, so Roth.

Alte Hasen und junge Hüpfer

Zahlreiche etablierte Firmen arbeiten eng mit Proptechs zusammen oder engagieren sich finanziell an dieses Start-ups. So verkündete etwa Bauwens im Sommer eine Kooperation mit BIMsystems. Die Partnerschaft soll Praxiskenntnisse mit technologischem Knowhow vereinen. BIMsystems selbst wurde 2015 gegründet, um die Herausforderungen des Datenmanagements im Rahmen des digitalen Zwillings auf Basis der Planungsmethode BIM zu überwinden. Die Entwicklungspartnerschaften mit großen Immobilien- und Bauunternehmen wie etwa Bauwens soll helfen, die Lösungen an die Anforderungen des Marktes auszurichten. Auf der anderen Seite kooperiert das junge Unternehmen mit anderen Proptech-Firmen wie das österreichische Propster oder den Produktinformationsmanagement-Anbietern Incony und Contentserv, um die gesamte Wertschöpfungskette von Immobilien zu bedienen.

Schon länger arbeitet Bauwens mit dem Smart-Home-Anbieter Sensorberg zusammen. Hier war der Wunsch eines Kunden nach einem schlüssellosen Zugangssystem Grundlage für die heutige Ausrichtung des Unternehmens. Als Sensorberg 2017 als Proptech an den Markt trat, war der Markt nicht sehr aufgeschlossen. „Aller Anfang ist schwer. Digitalisierung stand damals noch nicht besonders weit oben auf der Must-have Liste der Unternehmen“, berichtet Karoline Pantera, Sprecherin des Unternehmens. „Heute sieht das anders aus. Mehr und mehr bekommt dieses Thema auch Management Attention und damit ist auch für uns der Zugang leichter.“ Hindernis für die zeitnahe Umsetzung neuer Ideen sind teilweise die finanziellen Rahmenbedingungen. Dennoch ist auch aktuell die Unternehmensentwicklung weiter von Kundenanforderungen getrieben, die mit immer neuen Anwendungsfällen an Sensorberg herantreten: „Das ist aber auch eine tolle Situation. Wir entwickeln uns weiter eng mit unseren Kunden und profitieren von deren Day-to-Day challenges, deren Lösung auch unsere Aufgabe ist.“

Dieser Beitrag ergänzt das Titelthema "Wandel" aus der neuen immobilienmanager-Ausgabe 11/12-2020 . Autorin: Bianca Diehl

10.12.2020