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Preiszettel für jedes Haus

Schätzwerte für Wohnimmobilien in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Nürnberg und München veröffentlicht seit dieser Woche der Online-Marktplatz Scoperty, ein Gemeinschaftsunternehmen der ING Bank, Price Hubble und Sprengnetter. Über die Verlässlichkeit der Zahlen und das Geschäftsmodell dahinter sprach immobilienmanager mit Geschäftsführer Dr. Michael Kasch.

Wie viele Häuser und Wohnungen in Deutschland haben Sie aktuell in Ihrer Datenbank erfasst?
Dr. Michael Kasch: Wir haben acht Millionen Objekte auf unserem Marktplatz verfügbar und wollen im Laufe des Jahres 2020 alle 40 Millionen Wohnimmobilien in Deutschland erfasst haben.

Sie bieten Schätzwerte zu Wohnimmobilien, die nicht unbedingt zum Verkauf stehen. Auf welcher Basis ermitteln Sie diese Werte?
Dr. Michael Kasch: Es fließen die Daten des Gründungspartners Sprengnetter ein. Dazu kommen die Ergebnisse eines Algorithmus, den wir gemeinsam entwickelt haben. Für die initialen Schätzwerte muss er  zusätzlich mit wichtigen Parametern gefüttert werden: Baujahr, Wohnfläche und Grundstücksfläche.

Woher bekommen Sie diese Parameter? Aus dem Grundbuch?
Dr. Michael Kasch: Nein, wir nutzen private und öffentlich zugängliche Quellen.

Wie ermitteln Sie, wie viele Wohneinheiten ein Mehrfamilienhaus umfasst?
Dr. Michael Kasch: Solche Daten hat beispielsweise die Deutsche Post.

Woher wissen Sie, wie groß die Wohnungen sind, für die Scoperty jeweils einen Preis angibt?
Dr. Michael Kasch: Wir schätzen pro Haus die Mindestgröße einer Wohnung, nicht die Durchschnittsgröße.

Wie verlässlich sind die initialen Schätzwerte?
Dr. Michael Kasch: Unser Anspruch ist, dass sie relevant sind. Um sie zu verbessern, muss ein Eigentümer, der verkaufen will, die konkreten Werte seiner Immobilie eingeben. Danach ist es sinnvoll, dass auch noch ein Gutachter hinzugezogen wird. Dazu kommt, dass alle Kaufinteressenten, die ein Angebot unterbreiten, damit auch Datenpunkte bereitstellen, die in die Angebotspreisermittlung einfließen.

Auf Ihrer Plattform sind auch Bilder der Objekte zu sehen. Woher stammen sie?
Dr. Michael Kasch: Wir nutzen Satellitenaufnahmen und für die Straßenansichten Google Street View.

Es gibt für Mieter und Eigentümer eine Widerspruchsmöglichkeit, wenn sie ihr Objekt nicht auf Scoperty sehen möchten. Wie stark wurde diese Option bisher genutzt?
Dr. Michael Kasch: Wir sind seit Juni mit 640.000 Objekten in der Metropolregion Nürnberg vertreten. Der Anteil der Widersprüche ist vernachlässigbar. Die Kundenrückmeldungen sind sehr positiv, und auch mit den Maklern stehen wir in einem sehr guten Austausch.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell, da der Zugang zu den Daten kostenlos ist?
Dr. Michael Kasch: Die Monetarisierung läuft über Leads, also  Kunden, die wir auf ihren Wunsch an unser hochwertiges Partnernetzwerk aus Maklern und Finanzierern weiterleiten.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl, Senior Management Programm immobilienmanager.

16.10.2019