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Prosumergy: "Unsere Software ermöglicht gebäudescharfe Tarifierung"

Das Start-up Prosumergy betreibt Mieterstrom-Projekte für Versorger und Wohnungsgesellschaften. Im Interview stellen die Gründer das Geschäftsmodell vor und beziehen Stellung zum Mieterstromgesetz.

Kassel (energate) - Das Start-up Prosumergy aus Kassel setzt Mieterstrom-Projekte für Versorger und Wohnungsgesellschaften um. Im Interview stellen die Gründer Lena Cielejewski, Daniel Netter und Christopher Neumann das Geschäftsmodell vor.

energate: Frau Cielejewski, was ist das Kerngeschäft von Prosumergy?

Lena Cielejewski: Unser Kerngeschäft ist Mieterstrom, sowohl im Solar- wie auch im BHKW-Bereich. Wir agieren dabei als Projektierer und Energieversorger. Von der Anlagenplanung bis hin zur Stromlieferung und -abrechnung können wir alle erforderlichen Bausteine abdecken. Dazu haben wir verschiedene Angebote: Wohnungsgesellschaften möchten ihren Mietern günstigen Strom anbieten und gleichzeitig ihre Immobilien energetisch aufwerten. Mieterstrom ermöglicht dies, ohne die Investitionskosten auf die Mieter umlegen zu müssen, da sich die Investition über die Einnahmen aus dem Stromverkauf refinanziert, was in Zeiten von steigenden Mieten ein großer Pluspunkt ist. Wohnungsgesellschaften wollen aber in aller Regel nicht selbst zum Versorger werden. Daher übernehmen wir die damit einhergehenden Aufgaben. Andere Energieversorger möchten selbst in den Mieterstrommarkt einsteigen, wobei sich die Bandbreite der Eigenleistungen von EVU zu EVU erheblich unterscheidet. Auch für diese unterschiedlichen Bedarfe bieten wir individuelle Lösungen an, die von einem Co-Branding- bis hin zu einem White-Label-Modell reichen. Unsere Unabhängigkeit im Hinblick auf die Reststrombeschaffung ist dabei ein großer Vorteil: In Kooperationsprojekten mit EVU, in denen wir als Mieterstromanbieter auftreten, beziehen wir den Reststrom selbstverständlich vom jeweiligen Partner.

energate: Wie wird die Vermarktung des Solarstroms an die Mieter umgesetzt?

Daniel Netter: Üblicherweise ist Mieterstrom ein Mix aus vor Ort erzeugtem Solar- und/oder KWK-Strom und dem benötigten Reststrom aus dem Netz. Da der lokal verbrauchte Strom von einigen Preisbestandteilen, etwa den Netzentgelten, befreit ist, müssen die entsprechenden Strommengen durch das Messkonzept sowie bei der Abrechnung und Stromkennzeichnung entsprechend differenziert erfasst werden. Als darauf spezialisierter Anbieter haben wir eine Software entwickelt, die es uns erlaubt, diesen Besonderheiten des Mieterstromgeschäfts gerecht zu werden. So ist bei uns eine gebäudescharfe Tarifierung problemlos abbildbar.

energate: Wie bewerten Sie das aktuelle Mieterstrom-Gesetz und die Vielzahl von Förderprogrammen?

Christopher Neumann: Als wir Ende 2014 mit der Konzeptionierung unseres Geschäftsmodells begannen, konnte man von einem Mieterstromzuschlag nicht einmal träumen, weshalb wir das Gesetz zunächst einmal positiv bewerten. Der Zuschlag selbst ist jedoch relativ gering und sinkt auch überproportional im Vergleich zur Einspeisevergütung, weshalb das Gesetz vor allem seine Wirkung entfaltet, indem es Mieterstrom bekannter macht. Das hilft uns natürlich. An vielen Stellen gibt es sicherlich Verbesserungsbedarf, etwa bezüglich der Ausdehnung auf Nicht-Wohngebäude sowie der vom Gesetzgeber gut gemeinten, aber in der praktischen Umsetzung zum Teil schwierigen und unnötigen Kopplung des Mieterstromtarifs an den jeweiligen Grundversorgungstarif. Einige Förderprogramme auf Länderebene sind mit dem Mieterstromgesetz ausgelaufen. Bei weiteren, noch bestehenden Förderlinien begrüßen wir insbesondere die Förderung von Mess- und Zählertechnik, um eine moderne Infrastruktur ohne Preisnachteil für die Mieter zu schaffen.

Die Fragen stellte Philip Akoto, energate-Redaktion Essen.

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

23.02.2018