zurück

Schluss mit guten Vorsätzen

Gute Vorsätze zum Jahreswechsel taugen nichts. Sie sorgen ja doch nur für schlechtes Gewissen und sind zum Scheitern verurteilt. Wer wirklich etwas ändern möchte, muss anders vorgehen.

Gute Vorsätze für das neue Jahr? Sollten Sie lieber sein lassen (Foto: Matt Popovich/unsplash.com)
Gute Vorsätze für das neue Jahr? Sollten Sie lieber sein lassen (Foto: Matt Popovich/unsplash.com)

In unserer heimischen Küche habe ich vor wenigen Tagen live erlebt, wie kurz die Halbwertzeit von guten Vorsätzen ist. Mein bald sechsjähriger Sohn hatte an Weihnachten – wohl im emotionalen Überschwang der Geschenke – erklärt, er werde ab jetzt zuhause mehr mithelfen. Geschirr in die Spülmaschine stellen, Zimmer aufräumen, Einkäufe hochtragen. Lauter süße Versprechungen für empfängliche Elternohren.

Wir hätten es gleich ahnen müssen: Gute Vorsätze lösen sich schneller in Luft auf als der Weihnachtsbaum seine Nadeln verliert. Weil das ein universelles Naturgesetz ist, gab es in der heimischen Küche heute Morgen eine groß angelegte Tisch-Abräum-Verweigerung inklusive Trotzanfall.

Dabei, kann ich meinem Kurzen streng genommen noch nicht einmal böse sein. Wie viele gute Vorsätze habe ich mir schließlich selbst im Angesicht diverser Jahreswechsel genommen – nur um sie ein paar Wochen später heimlich still und leise zu entsorgen. Mitgliedschaft im Fitnessclub, mehr gute Bücher lesen, endlich gesünder ernähren. Die Liste meiner Vorsatz-Vergehen ist lang und schambedeckt.

Ein Vorsatz ist kein Entschluss
Also habe ich einen Entschluss gefasst: Warum sich selbst mit guten Vorsätzen ein schlechtes Gewissen machen? Am besten, schmeißt man sie gleich über Bord, die guten Vorsätze. So lebt es sich viel leichter. Außerdem sind sie ohnehin zum Scheitern verurteilt, denn ein Vorsatz ist nicht mehr als eine lose Absicht. Vergessen Sie also die vielen Ratgeber, die Ihnen erklären möchten, wie man seine guten Vorsätze in die Tat umsetzt. Es wird Ihnen nicht gelingen, denn ein Vorsatz ist kein fester Entschluss. Aber genau den braucht es, wenn Sie wirklich im neuen Jahr etwas anders machen möchten.

Nehmen Sie das gesunde Essen: Kämpfen Sie in jeder Mittagspause mit sich, den Salat anstelle des Schnitzels zu bestellen? Halten Sie dabei einen inneren Debattierclub ab, warum Sie dieses eine Mal noch sündigen dürfen? Glauben Sie mir: Dann wollen Sie nicht wirklich gesünder essen! Sie wollen vielleicht äußeren Ansprüchen gerecht werden. Aber das wird kaum reichen, um ihre Gewohnheit langfristig umzustellen.

Deshalb: Nie mehr gute Vorsätze! Her mit den Entschlüssen! Schließlich sind Menschen, die sich aus voller Überzeugung ein Herz gefasst haben, kaum aufzuhalten. Übrigens: Dafür braucht es keinen symbolischen Stichtag wie den Jahreswechsel. Sicher findet sich auch unter Ihren guten Vorsätzen etwas, das Sie wirklich wollen, oder?

Ich fürchte nur, mein Sohn hat mittlerweile den festen Entschluss gefasst, dass Teller abräumen nicht in seinen Aufgabenbereich fällt.

Autor: Markus Gerharz

08.01.2019