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„Technologie ist nur Mittel zum Zweck“

Die Commerz Real treibt ihren Umbau zum digital ausgerichteten Asset Manager voran, wie kaum ein zweites Unternehmen. Head of Digitlization Dr. Florian Stadlbauer zieht erste Bilanz und sagt, warum Digitalisierung mehr ist als Automatisieren mit Hilfe von IT.

Florian Stadlbauer (Foto: Commerz Real)
Florian Stadlbauer (Foto: Commerz Real)

Herr Stadlbauer, vor rund einem Jahr haben Sie Ihren Posten als Head of Digitalization bei Commerz Real angetreten – nach Jahren in der Spieleindustrie zugleich ihr Eintritt in die Immobilienbranche. Wie haben Sie die Immobilienwirtschaft und ihr eigenes Unternehmen in dieser Zeit erlebt?

Florian Stadlbauer: Ehrlich gesagt, war die Veränderung gar nicht so groß, wie man vielleicht denken mag. Natürlich sind die Geschäftsmodelle, der gesamte Kontext und die Dimensionen bei Commerz Real andere. Die Themen, mit denen ich mich beschäftige, sind letztlich aber doch sehr ähnlich. Es geht darum, Produkte immer vom Kunden aus zu denken, Freiräume zu schaffen und Agilität zu denken.

Die Commerz Real hat sich das Ziel auf die Fahnen geschrieben, bis 2020 erster digitaler Asset Manager zu sein. Was steckt konkret hinter diesem Anspruch?

Florian Stadlbauer: Im Kern geht es darum, dass unsere Kunden durch die Digitalisierung andere Erwartungen an uns haben, die wir bedienen müssen. Das verändert unsere Geschäftsmodelle. Dabei geht es übrigens um viel mehr als das Automatisieren von Prozessen durch IT. Es ändert sich die komplette Art und Weise, wie wir Geschäfte machen und somit auch die Kultur unseres Unternehmens. Wenn unsere Mitarbeiter zum Beispiel gemeinsam mit Kunden Prototypen vertesten, dann ist das eine völlig andere Arbeit, die es bislang so nicht gegeben hat.

Das klingt, als bliebe kein Stein auf dem anderen? Sicher gibt es in diesem Prozess auch Hemmnisse.

Florian Stadlbauer: Die gibt es ohne Frage. Das alles ist irrsinnig viel Arbeit, es kostet viel Zeit, Geld und Kompetenz. Deshalb müssen wir fokussieren und priorisieren, welche Dinge wir als erstes angehen. Darüber gibt es intern natürlich auch schon einmal unterschiedliche Auffassungen. Für uns stehen dabei jedoch immer die digitalen Geschäftsmodelle an erster Stelle, denn mit ihnen wollen wir Geld verdienen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Florian Stadlbauer: Gerne. Unsere Kunden können zum Beispiel im Mobilien-Leasing die Anschaffung von Baggern finanzieren. Üblich ist bislang ein starrer monatlicher Festbetrag für die Dauer der Nutzung, unabhängig davon, wie oft der Bagger tatsächlich genutzt wird. Wir bieten unseren Kunden stattdessen ein pay-per-use-Modell an, das die Nutzungsrate berücksichtigt. Es geht ja ganz oft gar nicht darum, das Rad komplett neu zu erfinden. Auch Google, Amazon & Co. machen nicht alles neu, sondern entwickeln Bestehendes weiter, passen es an und richten es am Bedürfnis ihrer Kunden aus.

Wenn es in um die Digitalisierung geht, wird auch immer die Technologie-Frage gestellt. Virtual Reality, Künstliche Intelligenz etc. Welche Felder sind für Sie relevant?

Florian Stadlbauer: Die Technologie ist ja nur Mittel zum Zweck. Es geht darum, etwas zu erreichen, das vorher nicht möglich war. Wir fragen uns deshalb immer, welche Use Cases sind relevant und welche Technologie benötige ich dafür. Zum Beispiel ist Virtual Reality für viele unserer Kunden interessant, für uns aber kein Feld, in dem wir selbst Know-how aufbauen oder Mitarbeiter einstellen würden, da dies nicht unser Kerngeschäft betrifft und wir im Bedarfsfall auf Dienstleister zugreifen können. Für uns ist momentan alles interessant, das Einfluss auf die Datenbearbeitung hat. Hier erwarten wir große Vorteile bei unseren Investitionsentscheidungen und im Asset Management. Deshalb beschäftigen wir uns stark mit predictive analytics und werden dort auch eigene Mitarbeiter einstellen.

Und wie sieht es mit dem Bereich Building Information Modelling aus?

Florian Stadlbauer: BIM ist ein absolut spannendes Feld, wobei es für uns als Asset Manager um die Anwendung von BIM im Betrieb geht. Da wir nicht selbst in die Entwicklung gehen, sondern Technologien für unser Geschäft nutzen, die bereits einen bestimmten Reifegrad vorweisen, ist BIM im Betrieb von Immobilien momentan einfach noch nicht weit genug ausgereift.

Das Interview führte Markus Gerharz

20.11.2017