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„Typen ohne Ausnahme“

Serielles Bauen gilt als neuer Königsweg zur Industrialisierung der Wohnungsproduktion. immobilienmanager sprach mit Carsten Rutz, Vorstand der Deutsche Reihenhaus AG.

Carsten Rutz: „...damit verliert der serielle Ansatz sofort seinen Kostenvorteil
Carsten Rutz: „...damit verliert der serielle Ansatz sofort seinen Kostenvorteil" (Foto: Deutsche Reihenhaus)

Was kann serielles Bauen tatsächlich leisten?
Carsten Rutz: Die Mängelrate sinkt erheblich, weshalb man übrigens auch mit geringeren Rückstellungen für die Gewährleistung auskommt. Die Baustellenphase ist kürzer. Anwohner werden weniger belastet, witterungsbedingte Ausfallzeiten gehen zurück. Serielles Bauen ermöglicht zudem straffe und klar angelegte interne Prozesse. Der größte Vorteil liegt aber sicherlich in den im Vergleich zum Individualbau deutlich niedrigeren Herstellungskosten. Für die Kostengruppen 300, 400 und 700 kommen wir mit deutlich weniger als 2.000 Euro brutto pro Quadratmeter aus. Unser erster mehrgeschossiger Wohnungsbau liegt inklusive aller Kostengruppen, ohne Grundstückskosten, aber mit Aufzug und Balkonen bei rund 1.800 Euro pro Quadratmeter brutto. Mit zunehmender Erfahrung werden wir die Kosten weiter senken können. Dazu muss man den Begriff „seriell“ allerdings auch ernst nehmen.

Wie ist das gemeint?
Carsten Rutz: Individualisierung und Serie vertragen sich nicht. Wenn man bei einem seriellen Gebäudetyp beispielsweise auch nur eine einzige Steckdose verschiebt, werden aus fünf Euro rasch mehrere hundert, weil dazu die Produktion im Werk selbst, die Bauleistung und der Handwerker vor Ort eingebunden werden müssen.

Wo liegen die Grenzen des seriellen Wohnungsbaus?
Carsten Rutz: Man benötigt größere Areale, auf denen die Bautypen platziert werden können. Kleine Grundstücke odergar Baulücken machen individuelle Anpassungen erforderlich, und damit verliert der serielle Ansatz sofort seinen Kostenvorteil. So kommt man nicht zu leistbarem Wohnungsbau.

Ist die Hoffnung auf Skaleneffekte berechtigt?
Carsten Rutz Aus unserer Erfahrung heraus dazu ein klares Nein. In der stationären Industrie sinken die Preise tatsächlich bei höheren Stückzahlen, weil auch die Zulieferer mitwachsen. Im Bausektor tun sie das aber nicht. Sie scheuen die damit verbundenen Risiken. Die Folge: Sobald man die Kapazitätsgrenze des günstigsten Anbieters erreicht hat, muss man mit einem teureren Anbieter weiterbauen. Höhere Stückzahlen treiben die Herstellungskosten ab einer gewissen Stückzahl also sogar nach oben, nicht nach unten.

Das kostengünstige Bauen rückt politisch immer mehr in den Mittelpunkt. Sind wir auf einem guten Weg?
Carsten Rutz: Das verstärkte Interesse der Politik an diesem Thema begrüßen wir sehr. Allerdings konterkariert die Politik ihre eigenen Bemühungen immer wieder selbst. Wenn jetzt beispielsweise einige Bundesländer wie angekündigt das barrierefreie Bauen ab der zweiten gebauten Wohnung zur Pflicht machen, werden die Baukosten nicht sinken, sondern explodieren. Große Sorgen mache ich mir auch um die Verfügbarkeit und die Kosten von Handwerkern. Das Handwerk hat bereits jetzt große Nachwuchssorgen. Seine Leistungen werden immer knapper und damit immer teurer.

Das Gespräch führte Christof Hardebusch.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der gedruckten Ausgabe von immobilienmanager.
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16.08.2018