zurück

Warnecke: "Effizienzvorgaben lassen sich nur mit Erneuerbaren erfüllen"

Berlin - Die Energiewende ist im Gebäudesektor noch nicht richtig angekommen. Ein Grund ist der gesetzliche Rahmen, sagt Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland im Interview mit energate. Statt fixer Vorgaben für die Dämmung fordert er mehr Technologieoffenheit bei Sanierungen und mehr Investitionsanreize für den Einsatz erneuerbarer Energien...

Berlin (energate) - Die Energiewende ist im Gebäudesektor noch nicht richtig angekommen. Ein Grund ist der gesetzliche Rahmen, sagt Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland im Interview mit energate. Statt fixer Vorgaben für die Dämmung fordert er mehr Technologieoffenheit bei Sanierungen und mehr Investitionsanreize für den Einsatz erneuerbarer Energien.

energate: Herr Warnecke, wie bewerten Sie die Ergebnisse des Wohngipfels der Bundesregierung?

Warnecke: Haus & Grund ist von den Ergebnissen der Wohngipfel enttäuscht. Die Bedeutung der privaten Eigentümer für die Wohnraumversorgung wird nicht erkannt und großes Potential damit verspielt. Es geht sogar so weit, dass die privaten Eigentümer gegenüber anderen Wohnungsanbietern diskriminiert werden. Dies geschieht zum Beispiel beim Mieterstrom und gipfelt in der Neugründung von kommunalen Wohnungsunternehmen mit Steuergeldern, nachdem die kommunalen Unternehmen vor Jahren verramscht wurden und heute als Spekulationsobjekte den Wohnungsmarkt belasten.

energate: Bekräftigt wurde auf dem Gipfel die geplante Zusammenführung von Erneuerbare-Wärmegesetz und Energieeinsparverordnung zum Gebäudeenergiegesetz. Wie bewerten Sie das Vorhaben?

Warnecke: Die Vereinfachung und Zusammenlegung von Energieeinsparrecht (EnEG, EnEV) und Erneuerbarem-Energie-Wärmegesetz (EEWärmeG) zu einem einheitlichen Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist seit langem eine Kernforderung von Haus & Grund. Wir hoffen, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier noch in diesem Jahr einen konkreten Entwurf präsentieren wird.

energate: Sie kritisieren die energetischen Anforderungen beim Neubau, unter anderem wegen der bürokratischen Auflagen. Wie lässt sich aus Ihrer Sicht die CO2-Bilanz von Gebäuden auf Dauer verbessern?

Warnecke: Um die CO2-Bilanz von Gebäuden zu verbessern, müssen mehr Anreize für Investitionen in effiziente und erneuerbare Techniken geschaffen werden. Dazu gehören eine steuerliche Förderung und eine Vereinfachung bei der Modernisierungsmieterhöhung. Wichtig ist, dass wir bei den Prinzipien der Freiwilligkeit, Technologieoffenheit und Wirtschaftlichkeit bleiben.

energate: Was halten Sie von dem Vorschlag, statt ausschließlich durch Dämmung, auch den Einsatz von erneuerbaren Energien für das Erfüllen der Effizienzvorgaben zuzulassen?

Warnecke: Die Anforderungen an die Dämmung sollten sich auf das technische Optimum und auf Komfortansprüche begrenzen. Mehr Dämmung führt zu mehr Energieverbrauch in der Herstellung, der über die Nutzungszeit nicht mehr eingespart werden kann. Insofern können die Effizienzvorgaben nur mit Einsatz erneuerbarer Energien erfüllt werden.

Bei Wohngebäuden kann Strom aus erneuerbaren Energien zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Erneuerbarer Strom für die Wärmeversorgung bietet neue und technisch einfach zu realisierende Lösungen für den Gebäudebestand. Allerdings steht der hohe Strompreis derzeitig einer intensiveren Nutzung erneuerbaren Stroms für die Wärmeversorgung im Wege.

energate: Die Digitalisierung spielt auch im Gebäudebereich eine wachsende Rolle, etwa bei der Hausautomatisierung oder beim Vernetzen von Anlagen. Wo stehen wir bei diesem Thema aktuell und wo bestehen Hemmnisse?

Warnecke: Der effiziente Betrieb von Energieversorgungsanlagen in Gebäuden wird heute schon automatisch sichergestellt. Auch die Überwachung der Anlagen aus der Ferne z.B. über eine App ist längst Realität. Zunehmend werden von Industrie und Handel unter der Bezeichnung Smart Home vernetzte Heimgeräte und Dienste angeboten. Bei diesen Produkten sehen wir allerdings noch Handlungsbedarf, etwa beim Schutz der Privatsphäre oder der Produkthaftung.

energate: Der Einbau von Ladeinfrastruktur für E-Autos in Wohn- und Geschäftshäusern kommt nicht so schnell voran. Woran hakt es aus Ihrer Sicht?

Warnecke: Die hohen Kosten für die Installation und Sicherstellung des Brandschutzes schrecken noch viele ab. Dazu kommen die Unsicherheit bei der Auswahl von verschiedenen und teilweise inkompatiblen Ladepunkten und die Herausforderung der vorhandenen Kapazität des Hausanschlusses, die häufig noch nicht reicht.

Die Fragen stellte Karsten Wiedemann, energate-Redaktion Berlin.

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

05.10.2018