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Wenn sich der Wind seitwärts dreht

Ein Kommentar von Patrick Herzog-Smethurst, Geschäftsführer DKW Gruppe, zur Entwicklung des Wohnimmobilienmarktes. Für ihn sind Projektbündnisse, Outsourcing und Konsolidierung Anzeichen, dass sich Immobilienunternehmen auf einen drehenden Markt vorbereiten.

(Foto: Brandon Griggs/Unsplash.com)

Von wegen, dass die steigenden Preise für Wohnimmobilien in deutschen Großstädten und Ballungsgebieten auch zu immer höheren Renditen in der Wohnungswirtschaft führen. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt: Die Margen sind weiterhin gut, aber bei weitem nicht mehr so wie vor drei Jahren.

Explodierende Baukosten, Grundstücke als Mangelware, politische Herausforderungen – das sind nur ein paar der Gründe, die dazu führen, dass für jeden erwirtschafteten Euro heute deutlich härter gearbeitet und Kalkulationen mitunter nachträglich korrigiert werden müssen. Soweit die gängige Bestandsaufnahme, und was kommt jetzt?

Immer häufiger hört man die Frage nach dem Ende des Zyklus, nach einem bevorstehenden Seitwärtstrend und gar Preisrückgängen. Welche Faktoren tatsächlich wann und wo einschlagen werden – darüber zerbrechen sich Wissenschaftler den Kopf. Wir Immobilienunternehmer schmieden Allianzen, von denen die Beteiligten in beiden Fällen profitieren können, in der Krise wie im Boom.

Immobilienunternehmen rüsten sich für das Ende der Hausse
Fest steht: Der Wind dreht. Am Markt macht sich das dadurch bemerkbar, dass es einen zunehmenden Trend zu Konsolidierungen gibt. Manch ein Vertriebsunternehmen integriert sich in größere, gern internationale Häuser, manch ein Asset Manager sucht sich eine institutionelle Heimat, und mittelständische Projektentwickler probieren gemeinsame Projekte aus, gründen Bündnisse oder gar gemeinsame Tochtergesellschaften. Aus reiner Nächstenliebe geschieht dies alles nicht, sondern folgt eher einer strukturierten Vorbereitung auf und gegenseitigen Versicherung für die möglicherweise bald schon anstehenden „weniger fetten Jahre“.

Der Drang zur Schlankheit macht sich auch bei Personalfragen bemerkbar. Firmen, die über Jahre alle Expertise „inhouse“ versammelt haben, spüren, dass es jetzt sinnvoller ist, Kompetenzen auszulagern. Einerseits mit Blick auf die Finanzierungszeitpläne – mit weniger Personalkosten lässt sich in brenzligen Situation agilere Unternehmenspolitik betreiben. Andererseits, weil sich endlich auch in Deutschland herumspricht, dass es sich eher lohnt zu investieren und Partnerschaften einzugehen, statt einzustellen. Dass man mit schlankem Körper und guten Köpfen auch besser gegen eine steife Brise anschwimmt, ist dabei ein dankbarer, ja notwendiger Nebeneffekt.  

Patrick Herzog-Smethurst ist Geschäftsführer der DKW Gruppe.

26.09.2018